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Ich messe das Meer und die Wüste nicht an ihrer Fläche und das Leben nicht an Zeit…
Du bist schon lange fort. Eigentlich schon viel länger als du letzten Endes wirklich da warst. Du und ich, wir sind schon viel länger wieder alleine als wir zusammen waren, aber das macht nichts. Irgendwo zwischen deinem Stückchen Herz und meinem, irgendwo dort zwischen uns beiden, da tut es ein bisschen weh. Aber das ist schon okay. Weißt du, die kurze Zeit in der du ich warst und ich du, die reicht völlig aus um all die Zeit die du mir fehlst damit aufzuwiegen. Jedes unserer lächeln streue ich in die Luft wenn ich dich zu sehr vermisse. Wie ein bisschen Sternenstaub, der der Finsternis ein bisschen was vom Licht zurück gibt. Es ist nicht so, dass ich dich nicht gerne wieder bei mir haben würde, natürlich will ich das, aber ich glaube du weißt überhaupt nicht wie viel du noch gibst, wenn du dich schon umgedreht hast. Weißt du, du bist ein bisschen wie meine Lieblingsschuhe, mit denen ich spuren im nassen Sand mache. Sie sind völlig durchlöchert, verwaschen und abgelaufen, aber sie passen, als hätten sie nie an einen anderen Fuß gehört. An dem Tag als ich sie gefunden habe hatte ich schon aufgehört nach welchen zu suchen. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich überhaupt nicht damit angefangen, weil ich mir sicher war dass es reine Zeitverschwendung wäre. Ich bin einfach durch die Straßen gelaufen und nichts ist passiert. Und dann, im letzten Laden auf der anderen Straßenseite habe ich sie entdeckt. Ich glaube, es war einer deiner Lieblingsläden, damals. Es war das letzte Paar und überhaupt nicht meine Größe, aber sie haben gepasst. Sie waren die einzigen, die ich überhaupt anprobiert habe und sie sind noch heute die einzigen, die ich nicht in den Schuhschrank zu den anderen stelle, weil ich weiß, dass ich sie sowieso bald wieder anziehe, auch wenn es regnet. Besonders bei regen muss ich an dich denken. Vielleicht weil ich das Gefühl von perlenden Tropfen auf meiner Haut und triefend nassen Haaren liebe, aber vielleicht auch nur weil ich weiß, dass die Sonne sich nur im Regen brechen kann um Wunder werden zulassen. Und du bist auch ein bisschen wie meine Lieblingswollsocken die, die ich im Winter immer trage wenn auf meinen Füßen Eisbären überwintern könnten. Sie sind ganz bunt, kein schwarz und kein weiß, nur voller Farbe und leben. Hier und dort sind ein paar geflickte Löcher, weil ich am liebsten immer ohne Schuhe durch die gegen laufe um zu fühlen wie die Welt sich dreht und an manchen Stellen sind ein paar Maschen, aber das macht nichts. Ich mag sie sogar ziemlich gerne, einfach weil es mir immer wieder zeigt, dass ich sie lieber habe als alle anderen Paare. Wenn es kalt ist weil ich weiß, sie halten mich warm, auch mit tausenden von geflickten Löchern und auch, weil sie nach dem Sommer auf mich warten, wie das Wort nach dem gebrochenen Schweigen. Es ist komisch, aber im Winter lege ich sie nur selten zurück in die Schublade. Sie hängen meistens über meinem Sessel, einfach, damit ich sie nicht suchen muss. Du bist ein bisschen was von meinem Lieblingslied und von meinem Lieblingsfilm, von meinem Lieblingsbild und von meiner Lieblingsjeans. Du bist ein bisschen von allem, vielleicht, weil ich es mit liebe betrachte, aber vor allem weil es mein Leben mit Geschichten füllt. Und vielleicht bist du auch genau deswegen unter allem was mir ein lächeln entlockt das schönste. Du bist mein Lieblingsbuch.vDas, wo immer neben meinem Bett liegt, mit den Eselsohren an den schönsten Stellen. Es ist schon völlig abgegriffen und hat überall Kabaflecken, es riecht nach alter Luft und nach ein bisschen Vergangenheit, aber das macht nichts. Manche Seiten sind nicht mehr ganz, andere verklebt und hier und dort sind einzelne Worte mit irgendeiner Farbe hineingekritzelt, nur um mich an etwas zu erinnern. An anderen Stellen sind Schokospuren oder Wassertropfen die, die Worte ein bisschenvverschlucken und manchmal liegt es wochenlang unberührt unter einer dicken Staubschicht. Nicht, weil ich es vergessen habe, sondern einfach nur um auch noch andere Dinge in mein Herz zu lassen. Aber ich stelle es nie in das Regal zu den anderen. Ich habe immer das Gefühl dort passt es nicht rein. Vielleicht, weil es mich einfach mehr berührt hat als all die anderen Bücher.
…Ich messe es an seinen Tropfen und ihren Sandkörnern und das Leben an Herzschlägen.
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